Bücherverbrennung

Birgit Lohmeyer

Bücher nach dem Lesen –
Ich tausche sie
Ich verkaufe sie
Ich spende sie
Oder stelle sie in mein Regal,
wenn ich vermute, sie noch ein weiteres Mal lesen zu wollen

Nie würde ich sie in die Abfalltonne werfen
Oder in den Altpapiercontainer
Oder damit das Ofenfeuer anfachen
Sie gar als Toilettenpapier missbrauchen
So grottenschlecht ihr Inhalt auch sein möge
Wie gelangweilt oder genervt ich von ihm war

Welche Welten sie auch enthalten
Gespreizte wissenschaftliche Thesen oder Erkenntnisse
Niedliche Kindergeschichten
Blutrünstige Kriminalstories
Zeitlos gültige Erzählungen voller Tiefgang
Oder süßliche Liebesromane

Auch ältere Werke
In denen das böse N‑Wort vorkommt,
nicht gegendert wird
oder deren Autor nicht die korrekte Hautfarbe analog zu seinen Figuren hat,
haben einen Wert für mich,
sind wichtige Zeugnisse ihrer Zeit, enthalten oft brillante neue Welten

Es wurden schon einmal Bücher
Aus den Bibliotheken entfernt
Kamen auf den Index des Verbotenen
Weil die Machthaber die Autoren mundtot machen wollten.
Am Ende brannten diese Bücher auf großen, theatralisch inszenierten Scheiterhaufen
Ist es bald wieder so weit?

Die Nachbarn in meinem Heimatdorf Jamel
Und ihre braunen Gesinnungsgenossen in ganz Deutschland
Arbeiten daran
Und wenn wir alle nicht fürchterlich aufpassen
Ist es bald wieder so weit
Seid wachsam!

Und lasst Autoren und Autorinnen so schreiben
Wie sie selbst es vor sich selbst verantworten können.
Mit oder ohne Gendersternchen und verpönten Wörtern.
Wir müssen es ja nicht lesen, wenn es uns nicht gefällt.
Achtet das Gebot der Kunstfreiheit
Ebenso wie unsere persönliche Freiheit ist sie unverzichtbar in einer Demokratie

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