Editorial Nr. 1 – Neues Blog / Kunstfreiheit

Gitta Martens und Philipp P. Thapa

Herzlich willkommen im Blog des VS-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern! Hier erscheinen Beiträge von Mitgliedern und Gästen unseres Verbandes. Das können unter anderem Diskussionsbeiträge sein, Gedichte, Essays, Kurzgeschichten, Rezensionen oder Veranstaltungsberichte. Auch Nachrichten aus unserem Verband und Ver.di, so sie die Literatur oder berufspolitische Fragen betreffen, werden wir mitunter hier veröffentlichen, ebenso wie Informationen unserer Kooperationspartner.

So wie die gesamte Arbeit des VS ist auch dieses Blog den Grundsätzen der VS-Charta verpflichtet. Beiträge, die sie verletzen, werden hier nicht erscheinen.

Die Redaktionsleitung übernimmt Gitta Martens. Sie ist unter anderem die Ansprechpartnerin für neue Beiträge, Themenschwerpunkte und inhaltliche Ideen aller Art. Unterstützt wird sie laufend von Philipp P. Thapa, der sich insbesondere um die Gestaltung und Technik des Blogs kümmert (wie unserer Internetseiten insgesamt). Schreibt uns gerne jederzeit unter , auch und besonders wenn ihr als Gelegenheitsredakteur·innen mitwirken möchten.

Wir eröffnen unser Blog mit einem Themenschwerpunkt zu einem zentralen Anliegen unseres Verbandes: der Freiheit des Wortes und der Kunst.

Schwerpunkt Kunstfreiheit

Am 5. Januar 2022 erschien in der Wochenzeitung Die Zeit ein Beitrag der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse, der mit »Die rote Linie« überschrieben ist. Darin beharrt Menasse auf einer Kunstfreiheit, die sie zunehmenden politischen Übergriffen und Einschränkungen ausgesetzt sieht. Unter anderem schreibt sie (Auszüge):

Im besten Fall ist Kunst also gleichzeitig Flucht und Erkenntnis. Und deshalb muss sie frei sein. Sie muss spielen dürfen, probieren, polemisieren, sie muss irren dürfen, irritieren und kränken. Sie ist das soziale Überlaufventil – was sie leistet, ist ein Kostümspiel auf ernstem Grund.

Heute (…) soll verhüllt werden, abgemildert, eingehegt, und was sich widersetzt, über das sagt man abfällig, es handle sich ohnehin um Zweitklassiges (…).

Werken ihre Relevanz abzusprechen, wenn man sie auf andere Weise nicht loswird, das ist eine infame Tendenz, denn sie wirkt so unauffällig wie geruchloses Gift (…).

Die überschießenden Empfindlichkeiten, der hochaggressive, tendenziell ausschließende Diskurs, der irrationale Glaube, mit den bösen Wörtern das Böse selbst ausmerzen zu können, sowie der verständliche, aber unsinnige Wunsch, nicht einmal die Kunst möge mehr daran erinnern, wie viel Schlechtes in der Natur des Menschen steckt – all das sind Symptome der Angst (…).

Auch wir meinen, dass Kunstfreiheit ein wichtiges Versprechen der demokratischen Gesellschaft an sich selbst ist, das es aktiv zu verwirklichen gilt und das uns darüber nachdenken lässt, in welche Welt wir unsere Texte bringen.

Doch was verstehen wir in Zeiten von Cancel Culture und Shitstorm darunter? Worin sehen wir Einschränkungen? Wie wirkt sich der gegenwärtige Kampf ums Sagbare auf unsere Arbeit als Schreibende aus?

Wir laden euch ein, darüber ins Gespräch zu kommen, und freuen uns auf
eine Vielfalt von Stimmen.

In diesem Sinne: Eröffnen wir das Gespräch!

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